Chronik der "Schützengesellschaft von 1868 e.V."  Bad Berneck i.F.



Ein Rückblick zum Jubiläumsfest 1968 von Dr. Hans G. Wirth



Die Schützengesellschaft 1868 Bad Berneck feiert heuer das Fest ihres einhundertjährigen. Bestehens. An der Schwelle zu einem neuen Jahrhundert wird sein Rückblick sinnvoll erscheinen, wenn man dabei besonders das Leben einer kleinen Gemeinde wie Berneck im Auge behält. Denn ein Verein besteht ja aus Mitgliedern die gleichzeitig Bürger dieser Stadt sind. Es sind ihre Ideen, es ist ihre Schaffenskraft, die eine Gesellschaft wie die der Schützen ständig neu beeinflussen. Als Kinder ihrer Zeit gestalten sie das Leben in dem Sinn, der ihnen modern erscheint Unsere schnelllebige Zeit lässt uns nur zu oft die Wurzel unseres Seins vergessen. Denn alles Jetzige entsteht aus dem Einst.

1829 – 1898

Über die Anfänge des Schützenlebens in Berneck hüllt sich der Schleier des Vergessens. Die Ursprünge dürften wohl in den alten Bürgerwehren zu suchen sein, über die Wachter in der Stadtchronik ausführlich berichtet. Diese hatten ganz präzis gestellte Aufgaben zur Abwehr von Eindringlichen, die hin und wieder die Stadt von außen bedrohten. Auch innerhalb der Stadt hatte die Bürgerwehr manche Aufgaben zu erfüllen, die noch z. T. im militärischen Bereich lagen. Vielleicht ist die Entstehung der Schützengesellschaft so zu erklären, dass sich die Offiziere und Soldaten der Bürgerwehr auch außerhalb des Dienstes dem Schießsport widmen wollten, wozu natürlich ein gesellschaftlicher Rahmen notwendig war. Zu ihnen stießen weitere Mitglieder, die nicht „dienstverpflichtet" waren, aber dennoch gerne eine Waffe führen wollten. Wenn die hohe Obrigkeit diese Entwicklung wohlwollend hinnahm, so kann das möglicherweise damit erklärt werden, dass so stets eine gewisse militärische Reserve zur Verfügung stand. Nachforschungen, die zu den Anfängen der Schützengesellschaft führen, gestallten sich sehr Schwierig. Denn erst 1810 kam der Obermainkreis (=Oberfranken) zur bayerischen Krone. Erst seit dieser Zeit liegen Unterlagen für das Schützenwesen im Staatsarchiv Bamberg vor. Für die Schützengilden war eine Schützenordnung aus dem Jahre 1796 (v. 21. 7.) bindend vorgeschrieben. Auf diese Schützenordnung nimmt ein Antwortschreiben des königlichen Landgerichts Gefrees vom 23. März 1833 an die königliche Regierung des Obermainkreises, Kammer des Innern Bezug, in dem es heißt: "Lediglich in Berneck hat sich im Sommer 1829 eine Schützengesellschaft (Schützengilde) förmlich gebildet, welche zurzeit aus 27 Mitgliedern besteht." Jedoch gibt es noch ein Schreiben vom 2. Juli 1823 des königlichen Landgerichtsvorstandes, das nach einleitenden Worten fort fährt," .. dass wohl demnächst wiederum das jährliche bürgerliche Schießen stattfinden wird." Der Hinweis „bürgerliches Schießen" deutet an, dass militärische Gesichtspunkte offenbar nicht berücksichtigt zu werden brauchten. Vielmehr dürfte es schon eine gesellschaftliche Veranstaltung gewesen sein. Jedenfalls ist für das Jahr 1822 ein Schießen in Berneck verbürgt. In diesem Jahr verunglückte ein Schütze tödlich, so dass das o. a. Schreiben sehr detaillierte Vorschriften enthält, die einer Schießordnung im modernen Sinne gleichkommen. Der Landgerichtsvorstand, der sich selbst einen "eifrigen und guten Schützen" nennt, scheint mit der Funktion des später verbürgten „Schützenkommissairs“ betraut gewesen zu sein, dessen Hauptaufgabe in der Überwachung der Schützengilden und Vereine bestand, und der für Einhaltung der altbayerischen Schützenordnung von 1796 verantwortlich war. Am 26. Februar 1850 erlangte ein neues Vereinsgesetz in Bayern Gültigkeit. Darin war die Genehmigungspflicht für öffentliche Veranstaltungen der Vereine festgelegt. Und so finden sich in den alten Akten erstmals für den 4. Juli 1856 zwei Anträge an das „Hohe königliche Landgericht Berneck" und den „Stadtmagistrat Berneck", dass der Schützengesellschaft erlaubt werden möge:“ .. ihr diesjähriges Scheiben und Sternschießen auf dem so genannten Anger dahier abzuhalten, und zu ihrem Behufe, wie gewöhnlich, jedes Mal mittags unter Musikbegleitung vom Marktplatz aus in festlichem Zuge auf den Schießplatz und von da abends wieder zurück sich zu bewegen..." Der Einschub „wie gewöhnlich" deutet darauf hin, dass sicher auch schon vor 1856 derartige Schießen in gesellschaftlichem Rahmen abgehalten wurden. Gleich lautende Anträge liegen auch für die folgenden Jahre bis 1870 vor. Lediglich 1966 fiel das Hauptschießen aus, weil infolge des preußischösterreichischen Krieges viele Truppenverbände durch Berneck zogen. In all diesen Jahren war vermutlich die Art des Schießens unterschiedlich. Es wird von Scheiben-, Stern-, -Fest- und Freihandschießen gesprochen. Den Waffenliebhaber mag an dieser Stelle interessieren, dass wohl überwiegend mit Perkussionsgewehren geschossen wurde, die also noch von der Mündung her geladen wurden. Erst 1836 wurde der Hinterlader erfunden, der mit einer Zündnadel ausgerüstet war. Diese Gewehre waren beim 3. Deutschen Bundesschießen in Wien 1868 sehr begehrte Ehrengaben. Die Schussentfernung dürfte zwischen 100 und 120 Meter betragen haben, die Treffer zeigte ein Zieler an. Und der Schuss ins „Schwarze" ließ sogleich den „Pöllerer" losgehen. An solchen Treffern nahm das ganze Publikum, das sich während der Schützentage auf dem Anger vergnügte, sehr lebhaften Anteil. Die Vorstände der Schützengesellschaft in jenen Jahren waren sicher froh und glücklich, wenn wieder alle Mitbürger während des festes auf ihre Kosten gekommen waren. Als Mitglieder aus dieser Zeit sind uns heute noch namentlich bekannt: Lammers, Neidhardt, Neuper, Lenz, Kaufmann, Heintz, Weigand. Für 1858 besteht übrigens die Möglichkeit, dass ein Konkurrenzverein in Berneck existierte, der von den Herren Burckhard und Lochmüller vertreten wurde. An dieser Stelle entsteht die Frage, weshalb gerade das Jahr 1868 zum Gründungsjahr der Bernecker Schützengesellschaft erklärt wurde. Im Staatsarchiv Bamberg liegen jedenfalls keine diesbezüglichen Unterlagen vor. Wir sind also auf Vermutungen angewiesen. Es mag sein, dass die hohe Politik ihren Einfluss geltend machte.1866 wurde der Norddeutsche Bund gegründet, dem Bayern durch die Intervention Napoleons III. nicht beitreten konnte. Aber um diese Zeit erließ das bayerische Innenministerium Mustersatzungen, die eine Umstrukturierung der Schützengesellschaften zur Folge hatten. Offiziell wurden die letzten Reste verteidigungspolitischen Inhalts getilgt, jedoch unterstanden die Schützen in ihrem Berichtswesen der Militärabteilung der Regierung von Oberfranken. Im Gegensatz dazu wurden andere Bernecker Vereine wie die Harmonie, der Gesang- und Turnverein vom Bezirksamt überwacht. Unklar bleibt auch die Funktion der Schützenkommissare in jener Zeit (1866 der Bezirksamtsvorstand, 1872 der königliche Förster Redlich in Röhrenhof.) Über die Existenz der Schützengesellschaft haben wir erst wieder sichere Kunde aus dem Jahre 1886. Jedenfalls lässt sich für dieses und die folgenden Jahre eine Reihe von Mitgliedern feststellen, die gleichzeitig Inhaber von Gastwirtschaften waren. (Georg Zapf, Georg Könnet, Carl Neuper, Johann Neidhardt, Nicol. Gölkel, Julius Bube, Soph. Baumgärtner, Georg Heintz, August Merkel, Johann Kreutzer). Bei diesen Mitgliedern fand reihum jeden Donnerstag ein Schützenabend statt, dem aber wohl mehr die Bedeutung eines Gesellschaftstages zukam. Diese Ansicht lässt sich durch die handschriftlichen Aufzeichnungen des verstorbenen Ehrenschützenmeisters Georg Pittroff erhärten, der sich noch an zwei Schießen in den achtziger Jahren auf dem Anger erinnern konnte. Aber die gar nicht so guten wirtschaftlichen Verhältnisse in der „guten, alten Zeit" führten zu einem starken Mitgliederschwund besonders unter den alten Schützen. Hinzu kam der Bau der Eisenbahnlinie Berneck - Goldmühl, deren Linienführung im Bereich des Schießgeländes lag. So kam es am 27. 1. 1898 zu einer denkwürdigen Generalversammlung, die die Auflösung des ,Vereins beschloss. Das der Gesellschaft gehörende Schießhaus auf dem Anger wurde Eigentum der Stadt Berneck. Für den Schätzpreis von 500 Mark sollte jährlich ein Zinssatz von 4 % zu Weihnachten an die Armen der Stadt verteilt werden. Als letzter bekannter Vorstand fungierte der Hopfen- und Lederhändler Samuel Oppenheim. Unter seiner Leitung fand für das noch vorhandene Geld eine Landauerpartie der Schützen nach Kulmbach und zurück statt. Im Gasthaus Schütz, Himmelkorn, war die letzte Einkehr. Damit endet zunächst die Geschichte der Schützengesellschaft in Berneck. Der Zwang der wirtschaftlichen Verhältnisse wund der Bau der Eisenbahnlinie führten zur Aufgabe des Schießbetriebes. Inzwischen worden jedoch der Zimmerstutzern und das Luftgewehr erfunden. Diese Waffen ließen sich auf kleinem Gelände, aber auch in Sälen verwenden. Und so drang in das Vakuum, das die Schützengesellschaft hinterließ, der am 20. Oktober 1884 gegründete Zimmerstutzen-Schützenklub Berneck ein, dessen erstes Schießlokal im Gasthaus „Zum Hirschen" s war. Die Gründungsmitglieder waren: Hans Öffner, Otto Pfeiffer, Alfred Peltz, Ernst Raithel, Georg Schlee, Johann Vestner und Hermann Zapf. Als weitere Mitglieder in den folgenden Jahren seien noch genannt: Karl Marquardt, Richard Haeffner, Paul Bauer, Georg Bube, Ernst Hassauer, Karl Becher, Josef Holl, Georg Reichel, Heinrich Schmidt, Fabrikant Horn, Apotheker Pöhlmann und Mühlenbesitzer Neidhardt. Dieser Schützenklub musste häufig die Lokalitäten wechseln und es war ihm keine lange Lebensdauer beschieden. Die letzte amtliche Mitteilung stammt von 1908 und besagt, dass Herr Josef Holl zum 1. Vorstand gewählt wurde.



1922 - 1943

Wir sahen, dass der Schützengedanke in Berneck um die Jahrhundertwende langsam zum Erliegen kam. Auch das Schießen in Sälen hatte nicht zu dem sicher erhofften Aufschwung geführt. In den Jahren nach dem ersten Weltkrieg wurde seitens der Einwohnerwehr ein neuer Schießplatz angelegt, der noch heute in seinen Grundzügen am Heinersreuther Weg besteht Dieser Platz stand der Einwohnerwehr ab Sommer 1920 bis zu ihrer Auflösung 1922 zur Verfügung Die schweren Jahre des ersten Weltkrieges und auch die nächsten Jahre der Nachkriegszeit ließen natürlich für den Schießsport keinerlei Raum. Nachdem sich aber die Verhältnisse, wieder etwas konsolidiert hatten, regte sich in einer Reihe von Bürgern Bernecks der Wille, wieder eine Schützengesellschaft zu gründen. Dieses Vorhaben wurde ganz wesentlich dadurch unterstützt, dass der oben erwähnte Schießplatz vorhanden war und benützt werden konnte. So trat am 20. April 1922 im Gasthaus Merkel die Gründungsversammlung zusammen, und neu erstand die „Schützengesellschaft Berneck 1868“. Ihre Aufgabe sah sie in der „Pflege kameradschaftlichen Geistes und gesellschaftlichen Zusammenhaltens und in der Förderung des Schießsportes". Die Gründungsversammlung wählte einstimmig den neuen Vorstand, der sich aus den Herren Robert Horn, Hans Kaufmann, Heinrich Krauß, Ottmar Peetz, Georg Künneth, Georg Pittroff, Christian Kispert und Hans Baumann zusammensetzte. Um die Verbindung. zwischen der neuen und der alten, aufgelösten Schützengesellschaft deutlich zu machen, wurden die letzten noch in Berneck lebenden Mitglieder sofort zu Ehrenmitgliedern gewählt. (Johann Biedermann, Oskar Teichmann und Sofian Baumgärtner.) Dem Verein standen zu diesem Zeitpunkt einige Zimmerstutzen zur Verfügung sowie umgearbeitete Militärkarabiner, die bei Kriegsende 1918 wohl „etwas außerhalb der Legalität" eingemottet worden waren. Jedenfalls ist aus den jetzt lückenlos vorliegenden Protokollen zu entnehmen, dass sich ein reger Schießbetrieb entwickelte. Diese Tatsache hatte natürlich einen sehr starken Mitgliederzugang zur Folge, so dass im Jahre 1924 insgesamt 127 Schützen namentlich bekannt sind. Am 30. August 1924 konnte auf dem Schießplatz am Heinersreuther Weg ein sehr gut besuchtes Preisschießen abgehalten werden, das abends im Kurhaus mit der Preisverteilung und einem Festball seinen Abschluss fand. Auch in den folgenden Jahren bis 1942 fanden ähnliche Veranstaltungen statt. Es lag in der Tendenz der damaligen Zeit, dass die Mitglieder vaterländischen Ideen anhingen So ist verständlich, wenn 1924 der Grundstock zu einem Fahnenfond gelegt wurde. Die ersten 36 Mark stammten aus dem Versteigerungserlös zweier großer Bretzen, die der Schützenmeister Karl Zapf für diesen Zweck gestiftet hatte. Dass es trotzdem nie zur Anschaffung einer Fahne kam, lag vor allem daran, dass die Schützen ein, eigenes Haus erbauen wollen. Es sollten aber noch weitere 10 Jahre, ins Land gehen, bis der Grundstein dazu gelegt werden konnte. Im Vordergrund des Geschehens standen zunächst die Erhaltung und der weitere Ausbau der Schießstände, Scheibenanlagen und Deckungen. Dazu mussten Klingel- und Telefonleitungen verlegt werden, denn die Schussbahn lag damals senkrecht zum Einschnitt des Heinersreuther Weges, dieser Weg musste also über schossen werden. Somit waren jährlich beträchtliche finanzielle Aufwendungen notwendig. Nochmals aber halfen die vielen freiwilligen Arbeitsleistungen der Schützen selbst, die gesteckten Ziele zu erreichen. Zum Schießen selbst seien hier noch einige Einzelheiten angefügt. Die Entfernung zwischen Schütze und Ziel betrug 120 Meter. Es wurde stehend, knieend oder liegend ohne weitere Hilfsmittel geschossen. Auch Diopter, ein begrenzendes Zielhilfsmittel und heute sehr beliebt, waren damals strikt verboten. Als Ziel dienten Scheiben mit 24, 20 und 12 Ringen. Mit welcher Begeisterung die Schützen ihren Sport betrieben erhellt aus der Tatsache, dass im Jahre 1925 insgesamt 6241 Patronen verbraucht wurden. Diese Mengen wurden übrigens in den folgenden Jahren noch weit übertroffen. Man mag daran die Anzahl der Schützen messen, denn der Schießbetrieb konnte ja nur an wenigen Tagen des Jahres durchgeführt werden. Die Stände waren anfangs nicht überdacht, der Schütze also der Witterung völlig ausgesetzt. Ferner musste auf den Kurbetrieb Rücksicht genommen werden. Und im Winter ruhte das Schießen gänzlich. Im Laufe der Jahre ergab sich aber gerade für den Winter eine weitere Entwicklung. Man rüstete die Gewehre mit Einsteckläufchen aus, die somit für Zimmerstutzenmunition geeignet waren. Die Schussentfernung lag für solche Waffen zwischen, 15 und 20 Meter Damit war aber auch der Weg frei geworden für das Kleinkalibergewehr selbst, das sich gerade wegen seiner Preiseswürdigkeit in Deutschland immer größer werdender Beliebtheit erfreute. Für diese Waffen entstand schon 1926 ein eigener Stand auf dem Schießplatz. Schnell wurde die Jugend in Berneck, geführt von dem Idealismus der Schützen Zeitler und Buchheim, mit dieser Waffe vertraut und nach gründlicher Schulung konnten bald her vorragende Ergebnisse gemeldet werden. Viele der auch heute noch aktiven Schützen haben damals ihre Schützenlaufbahn begonnen. So nimmt es nicht Wunder, wenn für das Jahr 1926 jeweils der 1. Platz im Gauschiessen für Karabiner und Kleinkalibergewehr belegt wurde. Dagegen gelang es bei der Bayerischen Landesmeisterschaft und beim Landesschiessen nur, jeweils den 4. Platz zu erringen. Stolze Ergebnisse, wenn man an die kurze Lebenszeit dieser Gesellschaft , denkt. Im Jahre 1926 wurde auch zum ersten Male ein Schießen eingeführt, das alljährlich zu einem gewissen Höhepunkt führt: Das Strohschießer Zum Strohkönig wird dabei derjenige Schütze dem es gelingt, die niedrigste Ringzahl zu erreichen. Während eines fröhlichen Faschingstreibens wurde dieser Tagesheld feierlich mit einer Strohkette dekoriert und durfte sich damit als erster aus den mitgebrachten Paketen eines für sich aussuchen. Die anderen Schützen folgt dann entsprechend ihrer Platzierung. Dieser Brauch wird auch, heute noch gepflegt und es darf hier versichert werden: Die Proklamation des Strohkönigs waren und sind herrliche und gemütliche Schützenabende. Dagegen war die Würde des Schützenkönigs viel offizieller. In manchen Vereinen soll es üblich gewesen sein, den Würdenträger schon vorher zu bestimmen. In Zeiten wirtschaftlicher Not ist ein solches Vorgehen noch verständlich, wenn der Schützenkönig alle Mitglieder zu einem festlichen Gelage einladen musste. Deshalb musste er schon über einige Geldreserven verfügen können. Für die Bernecker Schützengesellschaft aber gab es solche Gelage nie, und deshalb könnten die Schützen ganz frei auf der vorher bezeichneten Scheibe die Würde ausschieße. Mit dem besten Schuss stand der neue König fest. Zunächst blieb es beider feierlichen Proklamation. Inzwischen hatte aber der Schützenverein in Goldkronach eine Kette angeschafft. Die Bernecker mochten nicht nachstehen, und so beschloss die Generalversammlung am 8. Juni 1927 . eine Sammlung durchzuführen, die möglichst viele Silberstücke zusammenbringen sollte. Schon nach ganz kurzer Zeit konnten dem Juwelier Moeller in Bayreuth insgesamt 135 Silbermünzen übergeben werden, der daraus um den Preis von 90.- Mark die Königskette der Schützengesellschaft Berneck fertigte. Als erster trug diese Kette in stolzer Würde Georg Hartmann, Bärnreuth. Trotz aller Widrigkeiten der späteren Kriegs- und Nachkriegsjahre konnte diese Schützenkette erhalten werden, ja sie wurde 1967 nochmals erheblich erweitert. Wenn man die Protokolle der Jahre 1922 bis 1928 aufmerksam verfolgt, stellt man fest, dass einige Schützen besonders um die Gestaltung ihrer Gesellschaft bemüht waren. Ein Mitglied aber tat sich besonders hervor: Am 18. April 1928 wurde Georg Pittroff zum Ehrenschützenmeister gewählt. Auch für das weitere Geschehen im Verein ist er die zentrale Figur. Wenn er sich schon bisher der Erhaltung und Erweiterung der Schießanlage besonders widmete, so wollte er doch sein Werk mit dem Bau eines Schützenhauses krönen. Am 20. August 1929 räumte die Stadt Berneck in einer notariellen Beurkundung der Schützengesellschaft und dem Turnverein ein Erbbaurecht auf dem Schießgelände ein. Damit waren die Weichen endgültig gestellt und man begann mit den vorbereitenden Arbeiten. 1930 zog sich der Turnverein von dem Plan zurück, so dass nunmehr die Schützen alleinige Inhaber des Erbbaurechtes wurden. Dennoch verfloss noch einige Zeit, bis schließlich die Generalversammlung vom 17. August 1934 das Bauvorhaben guthieß. Wie weit aber die Vorbereitungen in Wirklichkeit schon gediehen waren, erkennt man an der Tatsache, dass am 5. September der Grundstein gelegt wurde und bereits am 22. September das Richtfest gefeiert wurde. Am 11 November 1934 wurde das Schützenhaus offiziell eingeweiht. Damit hatte sich die Gesellschaft für das Vereinsleben einen echten Kristallisationspunkt geschaffen, der nur durch die Ungunst der Zeit nicht mehr zum vollen Tragen kam. Denn bereits am 5. September 1933 musste die „Gleichschaltung" vollzogen werden. Für den Bau des Hauses und um den Schiessbetrieb in den Grenzen des Möglichen aufrecht zu erhalten, war es notwendig, die Schützengesellschaft den Verhältnissen anzupassen, ohne sich jedoch politisch zu engagieren. Erst nach dem Kriegsende wurde offenbar, mit welcher Klugheit die jeweiligen „Vereinsführer" die Geschicke zu lenken vermochten.



III

1949 - 1968

Nach dem anfänglichen Siegesrausch 1945 wurde es den Besatzungstruppen nur zu bald klar, dass sich in Deutschland ein Vakuum gebildet hatte. Zunächst musste der Flüchtlingsstrom aus dem Osten irgendwie untergebracht werden. Dazu gab es weder genügend Nahrungsmittel noch Arbeit, das Geld war völlig wertlos geworden. Erst als 1948 wieder eine stabile Währung eingeführt wurde, begann das Leben in Deutschland wieder zu pulsen. Ein neues Leben konnte aus den Ruinen entstehen. Die Siegermächte überdachten nach der Konsolidierung der Verhältnisse auch die Lebensformen der Vereine und Gesellschaften in Deutschland neu und stellten verwundert fest, dass manche Tradition in echter Demokratie entstanden war. Damit entfielen auch die Voraussetzungen der Auflösungsdekrete aus dem Jahre 1945. Und die Mitglieder der Vereine zeigten ihrerseits großes Interesse am Wiederaufleben ihrer zerstörten Lebensformen. Wo stand zu diesem Zeitpunkt die Schützengesellschaft? Das Vereinsvermögen war nach Kriegsende beschlagnahmt worden. In das Haus mussten Flüchtlinge einquartiert werden. Die Schießstände waren auf Anforderung des Stadtrates 1945 geschleift worden. Sämtliche Gewehre und die Munition waren abgeliefert. So stellten sich die Verhältnisse dem Ehrenschützenmeister Georg Pittroff dar, der ständig um die Erhaltung des Gazen bemüht war. Aber schon am 12. Mai 1949 trafen sich die Schützen wieder zu einer Generalversammlung im Gasthaus Merkel. Der Wille zum Neuaufbau vereinte sie und ließ die anfänglichen Schwierigkeiten zusammenschrumpfen. Die neu entworfene Satzung wurde schon bald vom Vereinsgericht und vom Landratsamt Bayreuth genehmigt. Dies war eine notwendige Voraussetzung, um das Vereinsvermögen wieder aus Ansätze zur Wiederaufnahme des Schießbetriebes ab. Die Stände am Heinersreuther Weg wurden provisorisch wieder hergerichtet, und es wurden einige Gewehre gekauft. Am 16. März 1953 trat die Schützengesellschaft dem Bayerischen Sportschützenbund bei und wurde so auch Autornahtisch Mitglied des Deutschen Schützenbundes. Die Anlaufphase gestaltete sich doch etwas schwieriger, als man zunächst vermutet hatte. Gerade im Winter musste der Schießbetrieb aus den bekannten Gründen ruhen. Um das gesellschaftliche Leben der Mitglieder erneut anzufachen, wurden schon 1952 Luftgewehre gekauft, die mit ihrer Reichweite von 10 Metern hervorragend für den Schießsport in Säle geeignet waren. Relativ schnell wurden deshalb in der Kegelbahn des Mitgliedes Hertrich zwei entsprechende Stände eingerichtet. Es entwickelte sich die ideale Kombination von Sport und Geselligkeit, die ihrerseits eine große Zahl neuer Mitglieder anzog. Man kann von einer echten Wachstumsphase sprechen. Am 15. Januar 1957 konnte als neuer Schützenkönig Wilhelm Günther gekrönt werden, der damit die Würde vom verstorbenen Georg Hauck, der sie seit 1942 innehatte, übernahm. Am 13. Februar 1955 trat an die Spitze der Gesellschaft Werner Koßmann, der zusammen mit den alten Schützen auch dem Schießbetrieb am Schützenhaus neuen Auftrieb gab. Die provisorischen Stände konnten auf die Dauer nicht den gestellten Anforderungen genügen. Deshalb musste an einen Umbau gedacht werden, der zum Schluss einer völligen Neugestaltung gleichkam. Für einen kleinen Verein bedeutete es schon eine ungewöhnliche Leistung, wenn zu diesem Zweck an Barmitteln und freiwilligen Arbeitsleistungen 2500.- DM aufgebracht wurden. An dieser Stelle muss auch dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus Dank gesagt werden für einen weiteren Zuschuss in Höhe von 1500.- DM. Mit all diesen Mitteln und dem unerschöpflichen Fleiß der Mitglieder war es möglich einen sehr modernen Schießstand für Kleinkaliber mit den vorgeschriebenen 50 Meter Bahnen zu errichten, der am 14. Juni 1961 vom Sachverständigen endgültig abgenommen wurde. Weitere Impulse erhielt das Leben der Schützengesellschaft im Jahre 1964 Das Luftgewehrschiesse, war vorher eingestellt worden, weil die Räumlichkeiten der Kegelbahn für andere Zweckfreigegeben werden mussten. Im Jahre 1963 gelang es, neue Luftgewehrstände im Keller des Kurhauses einzubauen. Die zunächst vorhandnen 4 Stände wichen schon bald einem weiteren Ausbau auf 8. Damit war endlich jedem aktiven Schützen Gelegenheit gegeben, ein exaktes Training als Voraussetzung für gute Schiessleistungen zu absolvieren. Während man sich bisher mit 10-Schuß Serien begnügte, stellte sich bald heraus dass dieser Sport viel mehr Kondition als bisher verlangte. Wer Leistungsnadeln erreichen wollte, wer an Vereismeisterschaften und Gauschießen teilnehmen wollte, musste sich nun der Dreissigerserie verschreiben. Für die Schützen bedeutete dies zunächst eine harte Umstellung, aber dank der technischen Anweisungen des Schützenmeisters H. Lauterbach und fleißigen Übens konnte der Leistungsdurchschnitt erheblich gesteigert werden Mitglieder der Schützengesellschaft wirkten 1965 bei Fernsehaufnahmen mit, wozu sie sich auch im Bogenschießen ausbilden mussten. Die Schützengesellschaft Bad Berneck, deren Geschichte nun über mehr als 100 Jahre dargestellt sind, sah es immer als ihre vornehmste Aufgabe an, in ihrer Zeit zu leben, die Traditionen der alten Zeit nicht zu vergessen und dem Neuen stets aufgeschlossen gegenüberzustehen. Aus dieser Synthese lebt der Verein weiter und die Generalversammlung gab 1967 dem beredten Ausdruck, als sie ihre verdientesten Mitglieder Hans Pittroff zum Ehrenmitglied und F. X. Niedermair zum Ehrenschützenmeister wählte. Mögen sich auch im kommenden neuen Jahrhundert der Schützengesellschaft 1868 Bad Berneck immer wieder Männer zur Verfügung stellen, die das Leben des Vereins zu leiten vermögen und so den Schützengedanken nach innen und außen stets Jung erhalten.
 

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